
Erinnert ihr euch noch an das rhythmische Klappern der Augsburger Puppenkiste?
An die Hausschweindame Wutz, die in ihrer Schlummertonne schläft, und den herrlich melancholischen Seelefant, der seine „traurögön Lödör“ über das Meer schmettert?
Ich habe diese Fernsehverfilmung früher gemeinsam mit meinem Sohn rauf- und runtergeschaut. Die Insel Titiwu war für uns der Inbegriff von Gemütlichkeit, Abenteuer und jeder Menge Sprachspaß!
Und jetzt? Jetzt habe ich mir den Buchklassiker „Urmel aus dem Eis“ von Max Kruse endlich selbst fürs Bücherregal erworben. Beim Aufschlagen schoss mir jedoch sofort eine Frage durch den Kopf: Kann diese Geschichte im Zeitalter von Tablets und rasanten Animationsfilmen heutige Kinder überhaupt noch begeistern?
Die kurze Antwort: Oja, und wie!
Wieso denke ich das? Als das freche, grüne Urzeitwesen aus seinem Ei schlüpft, bringt es genau die Leichtigkeit mit, die Kindern zu jeder Zeit, also auch heute noch, guttut. Das Urmel ist herrlich verspielt, ein bisschen verfressen und redet in einer charmanten Kindersprache. Die Dynamik auf der Insel Titiwu funktioniert auch heute noch tadellos. Denn mal ehrlich: Welches Kind liebt es nicht, dass die Tiere kleine Sprachfehler haben und man herrlich Quatschwörter nachplappern kann?
Wer gerät bei Pings legendärem Wunsch nicht sofort ins Schmunzeln: „Ich will auch so eine schöne Mupfel!“
Oder wenn Wutz mal wieder ordentlich schimpft: „Öff! Ihr könnt meine Schlummertonne als U-Boot haben!“
„Urmel aus dem Eis“ beweist, dass gute Geschichten nicht laut sein müssen. Die liebevolle, sonnige Welt von Titiwu bietet genau den zeitlosen, fröhlichen Zufluchtsort, den wir im Alltag ab und zu alle brauchen – egal, ob wir sechs oder sechzig Jahre alt sind. Schnappt euch das Buch, lest es euren Kindern oder Enkeln oder euch selbst vor und lasst das Urmeli die herbstliche Stube neu erobern!